plot und story
An Edgars Geschichte läßt es sich recht schön zeigen. Was hat es denn nun mit Plot und story auf sich? E.M. Forster redet von Fabel und hatte uns damit zusätzlich verwirrt.
Edgar wollte unbedingt seine Obdachlosen auf dem Melatenfriedhof behalten. Sie gehören nicht zur story, sie gehören zu einem plot. Daß der einbeinige Leistungssportler Franck 300 Euro abknöpft, und wie er das anstellt - ein plot. Daß er später Franck "rettet" - plot. Daß die gedungenen Schläger Franck ausrauben - plot. Dustin Hofmann als Prof. Hilbert erklärt es mit der Schwingtür und dem dahinter liegenden Gang. Plots, das sind nichts anderes als die Szenen aus denen eine Geschichte besteht.
Redet man also von plotgetriebenen Geschichten, dann redet man in sofern Unsinn, weil es eben immer die Szenen sind, aus denen eine Geschichte besteht, egal ob der Autor sich diese Szenen vor dem Schreiben ausgedacht hat, oder während des Schreibens.
Doch zurück zu Edgar, und der Frage, warum er so scheitern mußte. Edgar hat plots gesammelt; er wollte sogar vor dem November einen ganzen Haufen solcher plots haben. Edgar hat aber keine Fabel, keine story oder Geschichte. Und genau hier liegt das Problem der meisten Amateure: sie haben keine Fabel, keine story. Da Edgar sein Melatenfriedhof so wichtig war kann man es bei seinem Beispiel am deutlichsten zeigen. Plot ist nett, ist aber eben immer nur eine oder mehrere Szenen lang. Ein Plot muß in eine story passen.
Was wäre in Edgars Fall die story? Die story ist der Gesamtzusammenhang. Die story bestimmt, ob es 50.000 Worte werden, bei der story geht es um die ganz einfache Frage: worum geht es in deiner Geschichte. Sagte Edgar, es geht in meiner story um Freundschaft, wäre dagegen nichts einzuwenden; dann müßten seine Plots nur eben diesem Ziel dienen und er müßte uns in wenigen Worten deutlich machen können, wie seine story vom Anfang zum Ziel gelangt. Schnell wird klar: Freundschaft zwischen einem einbeinigen Leistungssportler und einem betrogenen Milliardärssohn als story kommt bei Edgar nicht in Frage, weil er eben keinen kontinuierlichen Flußlauf hierfür hat.
Geht es um einen betrogenen Milliardärssohn? Schon möglich. Zumindest beinhaltete dies die Möglichkeit einer story. Aber in diesem Fall hätten die plots den Verlauf dieser story bestimmen müssen. Das aber tun sie nicht. Franck über einige Tage zu verfolgen hilft nicht, diese story in seinem Roman zu entdecken. Wollte Edgar also retten, was nicht zu retten ist, er hätte zuerst nach einer story suchen müssen. Die einzige brauchbare story, die er hat lautet: alteingesessene Parfümeriefirma ist in dunkle internationale (teilweise kriminelle) Machenschaften verwickelt. Der nichtsnutzige Erbe entdeckt diese Machenschaften und gerät in Lebensgefahr.
Von dieser story ausgehend hätte Edgar recherchieren müssen. Zuerst einmal die Frage: wie kann eine alteingesessene Firma in Schwierigkeiten kommen, die sie in die Fänge mafiöser internationaler Wirtschaftsgangster gebracht haben könnte? Zweite Frage: warum sollte der Vater/Inhaber seinen Sohn aus seinem Erbe drängen wollen? Dritte Frage: wie kann der mißratene Sohn den geschäftlichen Machenschaften des Vaters und seiner Geschäftspartner auf die Schliche kommen? Vierte Frage: wer der Beteiligten hat ein Interesse und die Möglichkeit den Sohn auf kriminelle Weise zu bedrohen?
Hätte sich Edgar diese Fragen gestellt, hätten ihm die Antworten plots geliefert, um die sich bei den Amateuren immer wieder alles dreht. Die plots einer Geschichte sind nämlich nichts anderes als die Antworten auf die Fragen, die sich aus dem Nukleus, der story, die man erzählen will, ergeben. Bei unserem manual liest sich das mittlerweile folgendermaßen.
Erster Schritt: Nach der story suchen die erzählt werden soll. Sie hat einen Anfang und ein Ende, und sie ist durch ein Thema bestimmt, das sich durch Fragen näher beschreiben läßt. Bsp. die story handele von der Freundschaft zwischen einem Alien und einem Menschen. Warum ist der Alien auf der Erde? Wo kommt er her? Wie lernt er den Menschen kennen? Warum freunden sich die beiden an? Welchen Ausgang hat ihre Freundschaft? 29/12/07 14:56
Edgar wollte unbedingt seine Obdachlosen auf dem Melatenfriedhof behalten. Sie gehören nicht zur story, sie gehören zu einem plot. Daß der einbeinige Leistungssportler Franck 300 Euro abknöpft, und wie er das anstellt - ein plot. Daß er später Franck "rettet" - plot. Daß die gedungenen Schläger Franck ausrauben - plot. Dustin Hofmann als Prof. Hilbert erklärt es mit der Schwingtür und dem dahinter liegenden Gang. Plots, das sind nichts anderes als die Szenen aus denen eine Geschichte besteht.
Redet man also von plotgetriebenen Geschichten, dann redet man in sofern Unsinn, weil es eben immer die Szenen sind, aus denen eine Geschichte besteht, egal ob der Autor sich diese Szenen vor dem Schreiben ausgedacht hat, oder während des Schreibens.
Doch zurück zu Edgar, und der Frage, warum er so scheitern mußte. Edgar hat plots gesammelt; er wollte sogar vor dem November einen ganzen Haufen solcher plots haben. Edgar hat aber keine Fabel, keine story oder Geschichte. Und genau hier liegt das Problem der meisten Amateure: sie haben keine Fabel, keine story. Da Edgar sein Melatenfriedhof so wichtig war kann man es bei seinem Beispiel am deutlichsten zeigen. Plot ist nett, ist aber eben immer nur eine oder mehrere Szenen lang. Ein Plot muß in eine story passen.
Was wäre in Edgars Fall die story? Die story ist der Gesamtzusammenhang. Die story bestimmt, ob es 50.000 Worte werden, bei der story geht es um die ganz einfache Frage: worum geht es in deiner Geschichte. Sagte Edgar, es geht in meiner story um Freundschaft, wäre dagegen nichts einzuwenden; dann müßten seine Plots nur eben diesem Ziel dienen und er müßte uns in wenigen Worten deutlich machen können, wie seine story vom Anfang zum Ziel gelangt. Schnell wird klar: Freundschaft zwischen einem einbeinigen Leistungssportler und einem betrogenen Milliardärssohn als story kommt bei Edgar nicht in Frage, weil er eben keinen kontinuierlichen Flußlauf hierfür hat.
Geht es um einen betrogenen Milliardärssohn? Schon möglich. Zumindest beinhaltete dies die Möglichkeit einer story. Aber in diesem Fall hätten die plots den Verlauf dieser story bestimmen müssen. Das aber tun sie nicht. Franck über einige Tage zu verfolgen hilft nicht, diese story in seinem Roman zu entdecken. Wollte Edgar also retten, was nicht zu retten ist, er hätte zuerst nach einer story suchen müssen. Die einzige brauchbare story, die er hat lautet: alteingesessene Parfümeriefirma ist in dunkle internationale (teilweise kriminelle) Machenschaften verwickelt. Der nichtsnutzige Erbe entdeckt diese Machenschaften und gerät in Lebensgefahr.
Von dieser story ausgehend hätte Edgar recherchieren müssen. Zuerst einmal die Frage: wie kann eine alteingesessene Firma in Schwierigkeiten kommen, die sie in die Fänge mafiöser internationaler Wirtschaftsgangster gebracht haben könnte? Zweite Frage: warum sollte der Vater/Inhaber seinen Sohn aus seinem Erbe drängen wollen? Dritte Frage: wie kann der mißratene Sohn den geschäftlichen Machenschaften des Vaters und seiner Geschäftspartner auf die Schliche kommen? Vierte Frage: wer der Beteiligten hat ein Interesse und die Möglichkeit den Sohn auf kriminelle Weise zu bedrohen?
Hätte sich Edgar diese Fragen gestellt, hätten ihm die Antworten plots geliefert, um die sich bei den Amateuren immer wieder alles dreht. Die plots einer Geschichte sind nämlich nichts anderes als die Antworten auf die Fragen, die sich aus dem Nukleus, der story, die man erzählen will, ergeben. Bei unserem manual liest sich das mittlerweile folgendermaßen.
Erster Schritt: Nach der story suchen die erzählt werden soll. Sie hat einen Anfang und ein Ende, und sie ist durch ein Thema bestimmt, das sich durch Fragen näher beschreiben läßt. Bsp. die story handele von der Freundschaft zwischen einem Alien und einem Menschen. Warum ist der Alien auf der Erde? Wo kommt er her? Wie lernt er den Menschen kennen? Warum freunden sich die beiden an? Welchen Ausgang hat ihre Freundschaft? 29/12/07 14:56
Huineng - 29. Dez, 14:56


