Montag, 7. Januar 2008

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Nachdem mich ein Artikel The Promise of Premise des e-zines Vision genervt hatte, habe ich endlich den Schlüssel zum Artikel gefunden. Im Artikel geht es zwar hauptsächlich um Film, aber der Autor sieht einen Zusammenhang zum Roman, der für mich auf den ersten Blick recht blödsinnig klingt, noch dazu wenn man bedenkt, daß er gerade mit jenem Film argumentiert, mit dem ich genau im gegenteiligen Sinn argumentiere. Da es sich bei dem Artikel um ein referiertes Gespräch mit einem Drehbuchautor handelt, sind es eigentlich dessen Ideen, um die es geht. Ausgehend von einem simplen Konzept nach dem Actionfilme gestrickt werden sollten Character + Conflict = Resolution und das er als einzig auf plot basierend darstellt hat er ein Konzept entwickelt, von dem er behauptet es basiere auf einer story. Dramatic Issue + Movement = Fulfillment. Hierbei geht es darum, der Hauptfigur eine menschliche Note zu geben, damit sich die Zuschauer mit dieser Figur identifizieren können. Diese Komponente ist für ihn die eigentliche Geschichte und wilde Verfolgungen oder mörderische Kämpfe dienen nur dazu, den Zuschauer fürchten zu lassen, daß der Held sein fulfillment nicht erreichen könnte, da er vorher umgebracht wird.

Nach reiflichem Überlegen komme ich zu dem Schluß, daß seine Überlegungen für plotgetriebene Geschichten sehr brauchbar sind, auch wenn dadurch natürlich keine storygetriebene Geschichte entsteht. Die Flugangst dient nur dem Zweck, die Figur dem Zuschauer emotional näherzubringen.

Natürlich handelt es sich nicht in unserem Sinn um eine story, denn weder erfahren wir etwas darüber warum die Ehe schlecht lief, noch warum McClane, das nicht schon früher bemerkt hat. Was aber an diesem Ansatz interessant ist, und das gilt für viele plotgetriebene Filmgeschichten, die Zuschauer können die Gefühle einer Hauptfigur nachvollziehen da sie nicht eigentlich mit der Handlung zu tun haben, sondern aus der Sphäre der Alltäglichkeit stammen. In plotgetriebenen Geschichten sollte man diesen Aspekt immer im Auge behalten. Man braucht eine Emotionalfigur, eine Figur über die mehr verraten wird, als die Handlung erfordert, und dieses Mehr stammt aus dem privaten Bereich der Figur. Es vermittelt den Eindruck von Tiefe, die in Wahrheit nicht existiert. George erwähnt, bei einem Roman habe es um Menschen zu gehen, nicht um Ideen. In Actionromanen und -filmen geht es meist nicht um "Menschen" weshalb diese kleinen Nebensächlichkeiten so wichtig sind, da sie den Zuschauer denken lassen, es ginge eben doch um menschliche Figuren und nicht nur um funktionale Figuren eines abgekarteten Spiels.

In einem weiteren Artikel des e-zines wird Arnold Toynbee zitiert. Hier geht es um die Konstruktion von Science-Fiction- und Fantasywelten. Genauer um die politischen Verhältnisse, die meist in solchen Geschichten allzu logisch verlaufen. Bestimmte Absichten führen generell zu den erwünschten oder logisch unerwünschten Ergebnissen. Das alles sieht dann sehr nach Konstruktion auf dem Reißbrett aus. Toynbee aber hat festgestellt

history is accidental and chaotic.

Gerade bei Politthrillern spielt dies eine wichtige Rolle. Wir hatten gestern einen Film aus dem Jahr 1982 gesehen, eine chaotische Politsatire mit Sean Connery: Wrong ist Right. Vordergründig geht es um das Fernsehen, aber gegen Ende des Films wird es geradezu prophetisch, denn da geht es darum einen Grund zu finden ein arabisches Erdölland zu überfallen, da dessen Herrscher die Atombombe hat und mit ihr das Worldtradcenter und New York demontieren möchte. Und wie in der Realität hatte der Herrscher nicht vor, New York zu vernichten, aber nachdem die Amerikaner die Bombe am Mast des Worldtradecenter vorgeführt hatten hatte niemand etwas dagegen, daß man das Land überfällt.

In diesem Film fehlt der erwähnte emotionale Aspekt weshalb man als Zuschauer einer chaotischen Handlung folgt, ohne sich mit dem Schicksal einer Figur verbunden zu fühlen. Zugleich geschieht eben doch alles nach Reißbrett, auch wenn es zuerst ganz anders aussieht. Das scheinbare Chaos war also nichts anderes als bis ins Letzte geplantes Chaos - eben Desinformation.

Politthriller können im Prinzip nicht wirklich storygetrieben sein, da in ihnen meist die Möglichkeit der Charakterentwicklung der leading stars fehlt. Doch wenn es gelingt deutlich zu machen, daß eine der Figuren eine private Tiefe besitzt, die in der Handlung nicht deutlicher werden kann, kann der Leser sich mit dieser Emotionalfigur identifizieren. Wenn dann noch deutlich werden kann, daß Ergebnisse politisch-fiktionaler Handlungen unternommen wurden, um ganz andere Ziele als die erreichten zu erreichen, dann hat man das Zeug für einen interessanten Roman. Wenn dies aber auch noch auf Realität beruht, dann hat man den Kern zu einem verkaufsfähigen Buch. 07/01/08 14:48



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