Freitag, 10. September 2010

test

Nur mal sehen, ob das hier noch funktioniert. Falls ja, sehen wir in der nächsten Zeit weiter.
R.K.

Donnerstag, 11. Februar 2010

FW: Junebug Up in the air







Betreff: Junebug Up in the air


 

11/02/10 14:30    Okay Junebug contra Up in the air. Dabei geht es um den tschechowschen Revolver und kontextuelle Plausibilität ebenso wie um Sarah Palin und "the ragged old flag", um Metaphysik und vielleicht auch noch um Potentiale. Also wieder eine tour de force, die zeigen soll, daß Literatur im weitesten Sinne nicht nur dazu da sein sollte, die Zeit bis zum nächsten Arbeitstag totzuschlagen.

 

Fange ich mit dem tschechowschen Revolver an. Ein hübsches Instrument, das niemals veraltet, egal wie häufig er erst kurz vor Schluß des Stückes aus der Requisite geholt wurde. Gegen dieses Gebot zu verstoßen ist weder progressiv noch ist es Ausdruck der Kunst eine Klischeefalle zu vermeiden. Wird der Revolver gezeigt, wie in Up in the air bei der Bemerkung im Flughafengebäude oder den Blicken und Bemerkungen während der Diskussion über Ehe und Familie muß er auch benutzt werden, alles andere ist einfach nur der zynische Versuch zu beweisen, wie dumm heutige Konsumenten sind. Eben: pawlowsche Hunde, die auf Klingelzeichen - in diesem Fall virtuelle Bilder - reagieren, als seien es echte Bilder und nicht Sprachsymbole einer erzählten Geschichte. (Hinweis auf das Unverständliche in Portrait of a Marriage)

 

In Junebug steht nachdem die familiäre Katastrophe stattgefunden hat George Johnsten in der Garage seinem Bruder Johnny gegenüber, der an seinem Auto rumgebastelt hatte, obgleich seine Frau gerade eine Totgeburt gehabt hatte. Johnny hat noch den schweren Schraubenschlüssel in der Hand, den tschechowschen Revolver. Und wie es sich gehört verwendet er ihn kurz darauf. Das ist vorhersehbar, soll sogar vorhersehbar sein, damit der Zuschauer sich Gedanken machen kann bezüglich des Verhältnisses zwischen George und Johnny und Johnnys Zustand in dieser Situation. So erzählt man Geschichten, und  nicht wie Reitman indem man voraussetzt, daß der Zuschauer so dumm ist, daß er nicht merkt wie dumm man selbst oder wie sehr man voller Verachtung für den Zuschauer ist.

 

George war bei ihrer ersten Begegnung nicht etwa auf Madeleine bei ihrer ersten  zufälligen Begegnung in ihrer Gallerie nicht nur abgefahren, er ist geradezu auf sie raufgesprungen, wie ein brünstiger Hirsch. Ganz der schnelle Mensch der modernen Metropole. Er und Madeleine sollen nun mit dem hinterwäldlerischen Sarah‑Palin‑Amerika seiner Herkunft konfrontiert werden.  Angus MacLachlan, der Drehbuchautor akzeptiert offenbar die Spielregeln des Erzählens, also vor welchem Problem steht er? George passt nicht mehr in sein Zuhause. Das bedeutet natürlich: Konflikt en gros und en detail. Doch genau das will MacLachlan nicht haben. Was also tun? Er läßt George in der Versenkung verschwinden. Nicht wortwörtlich, aber weitgehend in der Handlung. Er bumst heiß mit seiner Madeleine aber kommt in den Interaktionen der handelnden Figuren so gut wie nicht vor. Nur zweimal kommt er zum Zug. Einmal mehr oder weniger unfreiwillig bei einer Veranstaltung, bei der ihn der Priester - im Bibelbelt, der heute weitgehend das ganze ländliche Amerika umfasst - zum Singen, und damit zu einer Rückkehr in die Gemeinde auffordert, und dann als die Katastrophe passiert und seine Frau, die eigentlich wegen eines Geschäfts in die Gegend gekommen war, das Geschäft wichtiger nimmt als "die Familie". Gerade diese halbherzige Auseinandersetzung im Wagen auf der Fahrt zu beiden destinations ist brillant, da sie deutlich macht, woher Georges Argumente stammen. Nämlich aus einer kindlichen Prägung und nicht aus einer inneren Überzeugung. Und noch einmal: so erzählt man authentische Geschichten.

 

Doch nun zu Sarah. Peg Johnsten, die Mutter entscheidet über die Zukunft Amerikas. Peg ist eine gottgläubige Frau, denn außer Gott gibt es keine feste Größen mehr in Amerika. Die Männer haben Frauen wie Peg, die früher als Pionierfrauen tätig waren nie für voll genommen, und seitdem ihre Männer sich nicht einmal mehr gegen die Ryan Bingham Amerikas durchsetzen können, sind die diejenigen die auf Sarah Palin hoffen, eine von ihnen wie die Ryan Binghams lästernd deutlich machen. Und auch das ist sehr gut geschrieben. Alle Landeier des Films bis auf die etwas naiv wirkende Ashley Johnsten sind sprachlos wie die Bewunderer Sarahs, die Sarahs Gestotter allein deswegen keinen Moment stört, im Gegenteil, es ist für sie der Beweis, daß sie - im Gegensatz zu Hillary - eine von ihnen ist, eine die "ehrlich", "gottgläubig" ist nicht eine von denen wie Madeleine der Peg instinktiv mißtraut weil sie so dünn und schon so alt sei.

 

Amerika ist eine geteilte Nation zeigt der Film. Und genau das ist das Problem. Amerika ist eine zwischen Junebug und Up in the air geteilte Nation. Und weil der Film auch dies noch deutlich machen kann, indem in der letzten Szene George deutlich zu erkennen gibt, wie froh er ist, wieder nach Chicago fahren zu können, »nach Hause«, ist dieser Film so brillant. George gehört nicht mehr nach North Carolina, aber, und auch das macht der Film sehr gut deutlich: es gibt weder eine Brücke zwischen beiden Bereichen, noch muß der Film den gap durch Konflikt zwischen George und seiner Familie thematisieren. Dieser Konflikt aber ist in der Realität übermächtig. Dem metropole Amerika, von dem man bei uns allgemein animmt, es sei das eigentliche Amerika, da es nach außen wirkt, steht ein feindliches rückwärtsgewandtes Amerika gegenüber. Beider ökonomische Probleme aber lassen sich von Washington aus nicht gleichzeitig lösen. Es gibt keinen Ausweg für das Land. Will man international konkurrenzfähig bleiben muß man sich am metropolen Amerika orientieren, damit aber wird der gap zum rückwärtsgewandten Amerika immer größer. Die Kommentare in der Chattanooga Times zu den Comics Bennets zeigen es täglich. Obgleich aus dem Süden stammend ist Bennet ein liberaler des Nordens und entsprechend die Reaktionen einiger der ständigen Kommentatoren. Sie greifen an, sie argumentieren dogmatisch, eben Sarah‑Palin‑Republikaner. Deren Pech: selbst wenn sie siegten würde ihre Heldin als Präsidentin gezwungen sein dem Weg des metropolen Amerikas zu folgen. Und deswegen ist Obama ein schlechter Präsident, denn er hat zwar den Menschen suggeriert er könne den gap überwinden, nur kann diesen gap niemand mehr überwinden. Und auf diese Weise ist Junebug nicht nur eine sauber erzählte Geschichte sondern sogar ein gut dargestelltes Spiegelbild amerikanischer Wirklichkeit.  

 


Und wie komme ich nun zur ragged old flag aus Fort McHenry? Nichts leichter als das. Diese Flagge ist ein Symbol das Amerika vereinigt. Sie wird von allen verehrt, die patriotisch gesonnen sind, seien sie nun Bewohner der Metropolen oder des rural district. Sie ist ein Symbol. Symbole aber sind metaphysische Gebilde. Ihre Wirkung läßt sich schwer erklären. Sie funktionieren nur wenn sie zwei wesentliche Elemente enthalten: Sieg und ordeal. Wir Deutschen haben solche Symbole nicht weil bei uns  nur der Sieg dargestellt wird. Bestes Beispiel das Schlachtengemälde der Politik wie man es nennen könnte, das Monsterbild der Kaiserkrönung in Versailles. Darin ist kein Motiv für den gemeinen Mann von der Straße, den, der dies erst möglich gemacht hatte. Das Denkmal für Iwo Jima, es zeigt den Sieg, aber auch den Preis der von den Soldaten zu bezahlen war und deswegen ist es ein nationales Symbol. Hätte man die eine Wand der Umgebungsmauer des Kanzleramtes aus der Mauer gebaut, es hätte ein ähnliches Symbol der Teilung und deren Überwindung werden können, aber Metaphysik ist bei uns nur etwas für die Philosophen. Doch die Symbole, die Amerika heute noch zusammenhalten sind  verbraucht, sind der letzte Kitt einer zerfallenden Gesellschaft.

 

 R.K.



  

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